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Tagesablauf Sicherungsverwahrung

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Bekannter, Freund oder Verwandter sitzt in der Sicherungsverwahrung ein? Eine Welt, die für viele Angehörige und Außenstehende fremd ist. Vermutlich schwirren Ihnen viele Fragen und Fantasien durch den Kopf, wie eine Sicherungsverwahrung aussieht und wie der Tag dort gestaltet ist.

Die Sicherungsverwahrten haben grundlegend mehr Freiheiten als z.B. die Strafgefangenen. Dies ist darin begründet, dass die Sicherungsverwahrten ihre eigentliche Haftstrafe bereits verbüßt haben, und nun „verwahrt“ werden – hier geht es also nicht mehr darum, dass eine Person für seine begangene Straftat bestraft werden soll, sondern dass dieser Mensch noch als gefährlich eingeschätzt wird – zu gefährlich für die Allgemeinheit.

Um 6 Uhr werden die Sicherungsverwahrten von den Kollegen des Stationsdienstes geweckt. Anschließend kann gefrühstückt werden. Wer möchte, hat die Möglichkeit, um 7 Uhr in einem internen Betrieb arbeiten zu gehen. Im Gegensatz zu Strafgefangenen müssen Sicherungsverwahrte nicht arbeiten. Manche von ihnen gehen jedoch freiwillig zur Arbeit, um sich etwas abzulenken und Geld dazu zu verdienen. Alle anderen, die nicht arbeiten möchten, haben nun den ganzen Tag Zeit, sich anderweitig zu beschäftigen. Sie können unter anderem an Behandlungs- und Gruppenmaßnahmen teilnehmen (bspw. Wandergruppe), den Sportraum nutzen, sich kreativ auf dem Freistundenhof mit Gartenarbeit betätigen, Therapiegespräche oder Arztbesuche (innerhalb der JVA) wahrnehmen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, Besuche zu empfangen. Einmal im Monat können sie eine „vollzugsöffnende Maßnahme“ erhalten, bei der sie in Begleitung von Bediensteten für eine kurze Zeit außerhalb der Anstalt einkaufen gehen, oder ihre sozialen Kontakte pflegen können. Wie Sie sehen, haben die Sicherungsverwahrten ein breites Spektrum an Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Viele Sicherungsverwahrte verpflegen sich selbst. So können sie sich ihre Mahlzeiten einteilen, zubereiten und anschließend gemeinsam essen. Die Zutaten für die Essenszubereitung können jeden Dienstag und Freitag im anstaltsintegrierten Rewe-Supermarkt eingekauft werden.

Wer sich nicht selbst versorgt, kann an der Anstaltsverpflegung teilnehmen. Das bedeutet, dass es zu festen Zeiten Frühstück, Mittagessen und Abendessen von der Anstalt gibt.

Hier kann zwischen verschiedenen Essensvarianten gewählt werden, wie zum Beispiel: Normal, Vegetarisch, Glaubenskost (kein Schweinefleisch, sondern bspw. Hühnchen).

Um 15.45 Uhr haben die arbeitenden Sicherungsverwahrten Feierabend. Nun können auch vielfältigen Freizeitbeschäftigungen nachgehen.

Im Gegensatz zu den anderen Vollzugsarten ist erst um 22 Uhr Einschluss. Das heißt, dass die Sicherungsverwahrten nun bis zum nächsten Morgen um 6 Uhr in ihren Hafträumen verbleiben, bis sie wieder von den Stationskollegen geweckt werden

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