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Tagesablauf für Gefangene

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Familienmitglied, Verwandter oder Bekannter sitzt in Untersuchungshaft? Sie wurden damit völlig überrascht und fühlen sich, als hätte man Ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen? Ein Gefühl, dass viele Angehörige nur zu gut kennen. Tausend Fragen gehen Ihnen jetzt vermutlich durch den Kopf. Was ist eine Untersuchungshaft eigentlich? Wie sieht so ein normaler Gefängnistag dort aus? Genau diese Fragen möchten wir im Folgenden gerne beantworten und versuchen, Ihnen die Gefängniswelt etwas näher vorzustellen. Die Zeiten variieren auf den verschiedenen Stationen und bilden daher nur ein Beispiel eines Tagesablaufes ab.

In der Untersuchungshaft sind Menschen untergebracht, die ihre Gerichtsverhandlung noch vor sich haben. Das bedeutet, sie gelten noch als unschuldig. Die Haft soll dazu dienen, dass Zeugen nicht von dem Beschuldigten eingeschüchtert werden können. Auch soll der Beschuldigte nicht die Möglichkeit haben, Beweismittel verschwinden zu lassen, vor der Verhandlung zu flüchten oder eine solche Tat erneut zu begehen. Aus diesen Gründen kann eine Untersuchungshaft angeordnet werden.

Ein besonderes Merkmal in der Untersuchungshaft ist, dass die Inhaftierten nicht einfach mal so jemanden anrufen oder Besuch empfangen dürfen. Das muss vorher alles von einem Gericht genehmigt werden. Ähnlich verhält es sich mit dem Versenden von Briefen.

Die Inhaftierten werden unter der Woche um 6:15 Uhr von dem Stationsdienst geweckt. Anschließend gibt es Frühstück. Gefangene der Untersuchungshaft sind im Rahmen ihres Haftaufenthalts nicht zur Arbeit verpflichtet. Sofern sie arbeiten wollen, können Sie das aber tun und von einem Teil des erarbeiteten Geldes können Sie in dem anstaltsinternen Rewe-Markt einkaufen gehen. Die Gefangenen haben unter anderem die Möglichkeit, in einem unserer Betriebe zu arbeiten oder einen Deutschkurs zu besuchen. Die Gefangenen, die nicht arbeiten, haben die Möglichkeit 1 Stunde lang auf dem Innenhof der JVA spazieren zu gehen oder dort Tischtennis zu spielen. Anschließend werden sie dann wieder auf die Station gebracht und verbleiben bis zum Mittagessen in ihrem Haftraum.

 

Um 11.30 Uhr gibt es für Alle warmes Mittagessen. Hier ist für jeden etwas dabei. Man kann zwischen dem normalen Tagesgericht, einem vegetarischen Tagesgericht und „Glaubenskost“ (anstatt Schweinefleisch gibt es z.B. Hühnchen) wählen.

Danach gehen die Arbeiter noch bis 15.45 Uhr weiterarbeiten und können ab 16:30 Uhr für 1 Stunde auf den Freistundenhof gehen. Die Nicht-Arbeiter verbleiben nach dem Mittagessen weiter auf Station, haben die Möglichkeit etwas zu kochen, bevor sie dann wieder bis 17:45 Uhr in ihren Hafträumen verbleiben.

Ab 17.45 Uhr wird das Abendbrot auf den Stationen ausgegeben – meist Brot mit Wurst und Käse. Nun können auch die Nichtarbeiter wieder aus ihren Hafträumen heraus und sich mit anderen Gefangenen unterhalten.

 
Um 19.30 Uhr ist für alle Inhaftierten Einschluss. Nun kann noch etwas fern geschaut werden bevor es später ins Bett geht.
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